Unsere Schweizer Hiestand-Vorfahren im 15. Jahrhundert

Co-Autoren: Dr. Peter Ziegler (Zürich, Schweiz) und Dr. Wayne Haston (Pennsylvania, USA)

(Einschließlich bedeutender Forschungsdaten von Kent Douglas Hiestand)

Serie: Frühe Schweizer Hiestand

Die Links werden aktiviert und veröffentlicht am
17.9.2022, 1.10.2022, 15.10.2022, 29.10.2022, 12.11.2022, 26.11.2022, 10.12.2022.

Englische Version dieses Artikels

Fast 100 Jahre vor 1492 – als “Kolumbus über den blauen Ozean segelte” – hatten wir Hiestand-Vorfahren im Kanton Zürich in der Schweiz, die Wald rodeten, die schönen Berghänge südlich des Zürichsees bewirtschafteten, Häuser und Scheunen bauten, die Hunderte von Jahren überdauerten, im Bibetsee (dem heutigen Hüttnersee) fischten, die Kirche besuchten und Gott verehrten. Einige ihrer Namen sind bekannt, ebenso die Orte, an denen sie lebten. Und in einigen Fällen wissen wir ein wenig über sie – was für Menschen sie waren und was sie mit ihrem Land gemacht haben.

Um 1500 n. Chr. breitete sich die Familie Hiestand den Berghang hinab in Richtung der Dörfer Wädenswil und Richterswil aus. Die gelben Punkte zeigen Grundstücke an, von denen wir wissen, dass sie im 15. Jahrhundert von Hiestands bewirtschaftet wurden. Die meisten Höfe dieser Familie lagen an einem der Pilgerwege, welche durch die Herrschaft der Johanniter nach dem Benediktinerkloster Einsiedeln führten. Nur die Schönau war abgelegen und konnte darum im 16. und 17. Jahrhundert zum „Nest der Täufer“ werden. Der wichtigste Pilgerweg führte vom Horgner Berg herkommend über Beichlen – Tanne – Egg – Fälmis – Blegi und Lölismühle Richtung Schindellegi. Dort überquerte er die Sihl und erreichte, durch die Voralpen aufsteigend, über Bennau und Schnabelsberg die Abtei „Unsere Liebe Frau von Einsiedeln“.

Versuchen Sie, “Blegi” auf dieser Karte zu finden – achten Sie auf die gelben Ortsnamen.  Im Jahr 1401 lebte Heini Hiestand dort.  Er ist der erste Mensch, von dem wir wissen, dass er “Hiestand” hieß.  Aber offensichtlich lebten dort schon Vorfahren mit dem Namen Hiestand, bevor Heini in einer Steuerliste mit diesem Nachnamen auftaucht.  Familiennamen wurden zu dieser Zeit gerade erst verwendet. 

Schauen Sie, ob Sie “Beichlen” und “Himmeri” auf der Karte finden können. In einem anderen Artikel werde ich Ihnen über Ueli Hiestand und seine Verbindung zu diesen beiden Höfen berichten. Aus den vorhandenen Aufzeichnungen (etwa 12), die ihn erwähnen, geht hervor, dass er zu seiner Zeit ein herausragender Bürger gewesen sein muss. 

Haben Sie Schönau gesehen? Es ist ein interessanter kleiner Ort, in dem einige unserer Vorfahren lebten. In den 1600er Jahren wurde er zu einem “Nest der Täufer”. Mehr darüber in einem späteren Artikel.

Und suchen Sie das Dorf Hütten. Einige unserer Schweizer Verwandten spielten dort eine wichtige Rolle beim Bau einer Kapelle im Jahre 1496.

Anmerkung: Sie wurde im Zuge der Reformation um 1600 in eine protestantische Kapelle umgewandelt.

Einige frühe Schweizer Hiestands nach den Autoren Schobinger, Egli und Kläui

Diese Autoren erwähnten einen Claus Hiestand, der im Dorf Feusisberg im Kanton Schwyz lebte.  Feusisberg lag etwa viereinhalb Kilometer südöstlich von Richterswil.  Wir konnten jedoch keine Originaldokumente finden, die den damaligen Aufenthaltsort eines Claus Hiestand bestätigen.

Die Kapelle von 1496 in Hütten

Wie Sie auf der obigen Karte sehen können, lebten viele Hiestands im15. Jahrhundert hoch oben auf den Berghängen oberhalb von Wädenswil und Richterswil, näher an Hütten als an den Dörfern am Seeufer. Um den Gottesdienst zu besuchen, musste der „Berg-Hiestand“ den steilen Hang hinunter nach Richterswil und dann wieder den beschwerlichen Heimweg antreten.

Jahr für Jahr ging es für die Hüttner Sonntag für Sonntag auf eine lange und oft beschwerliche Reise hinunter an den Zürichsee. Sie brachten ihre Kinder zur Taufe nach Richterswil und die Toten zu ihrer letzten Ruhestätte. Im Winter war der Kirchgang nach Richterswil besonders schwierig.«Die Hüttner kommen bei Wind und Wetter den zweistündigen Weg in die Kirche Richterswil, bleich und blau, schlotternd und müssen, wenn sie genugsam gefroren haben, wieder den gleichen weiten und beschwerlichen Weg hungrig zurück, wobei es oft später Abend wird.»

Der Bau einer eigenen Kapelle in Hütten sollte im Jahre 1496 Abhilfe schaffen. Es gab damals in Hütten genügend Familien, welche diese Idee unterstützten. Möglich wurde der Bau dank Geldspenden und Frondiensten ehrenhafter frommer Christen.

Kapelle-Rodel Hütten, 1496 Urkunde - Spender für das Projekt und die Einweihung der Kapelle

Einige Auszüge aus dem Dokument von 1496:

Im Jahre, als man tausendvierhundertsechsundneunzig [1496] Jahre nach Christi Geburt zählte, wurde diese Kapelle „zu den Hütten“ geweiht.

Die Johanniter-Priester sollen zum Ersten eine Messe singen zum Trost der Seelen und als Hilfe für alle verstorbenen Menschen. 
 

Danach soll eine Messe gesungen werden zu Ehren der Maria, der Mutter Gottes, als Trost und zur Fürbitte aller lebenden Wohltäter, die weiterhin Gutes tun sollen und daher glauben dürfen, dass ihnen der allmächtige Gott hier in dieser Welt ein gesegnetes Leben und nach diesem Leben das ewige Leben schenken möge. 
 

Die anderen Priester sollen an den Seitenaltären Messe lesen, ebenfalls im Gedenken an die Lebenden und die Toten.
 

Die Reliquien der Schutzheiligen dieser Kirche sind in den Altar gelegt worden.
 

Der Hauptaltar im Chor ist geweiht zu Ehren des heiligen Jakobus (St. Jakob), des Kirchenpatrons, sowie Johannes dem Täufer und den zehntausend Rittern.

Einige Hiestands aus dem Gebiet von Hütten
haben massgeblich zum Kapellenbau beigetragen:

Ruedi Hiestand, der Tusam („der Bedrückte“) genannt wird, und Elsi Höfliger, die Frau von Ueli Wymann, die den Grundstein für die Kapelle legten, waren Gotte und Gotti, und beide haben schon einmal zwanzig Pfund Haller [geprägt in Halle] an diesen Bau gespendet.

Anmerkung: Es war eine Ehre, dass sie als Pate und Patin für dieses Projekt ausgewählt wurden. Es war auch ein Dankeschön dafür, dass sie 20 Pfund Haller (in Halle geprägtes Geld) für den Bau der Kapelle gespendet hatten, was wahrscheinlich der höchste Betrag war.

Hans Hiestand hat zehn Schilling gegeben, lastend auf dem Gut zu den Berghüseren (Bergli), seinem Wohnsitz.

Ruotsch Hiestand aus der Lölismühle [heute Neumühle, Wollerau] hat als Beitrag an die Jahrzeit kostenlos alle Holzladen gesägt.

Zudem hat Hans Hiestand junior zehn Schillinge gegeben für sich und Anna Hiestand und für alle verstorbenen Mitglieder der Familie Hiestand.

Und denken Sie daran - all das geschah im 15. Jahrhundert nach Christus.

Die Kapelle Hütten wurde für die Katholiken erstellt, aber 1604, als verspätete Folge der Reformation, in eine reformierte Kirche umgewandelt.

In 1519 begann in der Stadt Zürich die Reformation. Im Jahr 1523 bekannte sich der Richterswiler Pfarrer Gregor Lüthi zur Reformation von Huldrych Zwingli. Sechs Jahre später folgte die Mehrheit der Kirchgenossen seinem Entscheid. Am 12. Mai erschienen Hans Wirz, der Verwalter der Johanniterkomturei Wädenswil, und Heinrich Eschmann als Abgeordneter der Richterswiler vor Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich. Sie berichteten, dass die Kirchgenossen in einer Gemeindeversammlung beschlossen hätten, zum neuen, reformierten Glauben überzutreten. In Richterswil seien die Heiligen und Bilder bereits entfernt worden. Die St. Jakobskapelle in Hütten wurde noch von beiden Konfessionen genutzt und die drei Altäre standen noch bis 1604, allerdings verhüllt. Dann wurden sie abgerissen. Man baute eine Kanzel und ersetzte die Kniebänke durch Sitzbänke. Diese verspätete Reformation in Hütten lässt sich mit der Kapelle erklären, die erst 20 Jahre vor der Reformation gebaut wurde. Viele Nachkommen gedachten noch jedes Jahr ihrer verstorbenen Vorfahren, den Spendern und Fronarbeiter.

Diese Kapelle wurde von den Katholiken während des Ersten Villmergerkriegs zerstört (1656).

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